10.03.2025 20:28

Turniersportstatistik 2024: Trend weiter rückläufig

Die anhaltende Konjunkturflaute und die steigenden Lebenshaltungskosten in Deutschland machen sich zunehmend auch im Pferdesport bemerkbar. Hatte der Turniersport nach der Coronazeit zunächst wieder etwas Fahrt aufgenommen, weist der Trend seit 2023 nach unten und hat mittlerweile alle Parameter des Turniersports erfasst. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 3.244 nationale Turniere mit insgesamt 56.975 Prüfungen und 1.081.008 Starts.

2022 hatte es die Zahl der Turniere fast geschafft, wieder das Vor-Corona-Niveau von 2019 zu erreichen. 2023 wurden es jedoch schon weniger und im vergangenen Jahr sank die Zahl der Veranstaltungen nochmals um 5,4 Prozent. Im Vergleich zu 2019 ist es sogar ein Rückgang um 9,1 Prozent.

Betrachtet man die Dotierung der Turniere, stellt man fest, dass mittelgroße Turniere (mit Geldpreisen zwischen 5.000 und 25.000 Euro) die geringsten Probleme zu haben scheinen und sogar mehr geworden sind. Der größte Rückgang ist bei den ganz kleinen Turnieren (bis 2.500 Euro Preisgeld) mit minus 12,6 Prozent gegenüber 2023 zu verzeichnen. Insgesamt gab es 1.229 solcher Veranstaltungen und damit immer noch mehr als vor der Corona-Zeit.

Den geringsten prozentualen Rückgang der drei Faktoren Turniere, Prüfungen und Starts weist 2024 die Anzahl der Prüfungen auf. Diese sank von 58.084 auf 56.975 Prüfungen, das entspricht minus 1,9 Prozent. Im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit ist die Prüfungsanzahl in den letzten fünf Jahren sogar um 14 Prozent geschrumpft. Allerdings sind nicht alle Prüfungen gleichermaßen betroffen. Im unteren Bereich gibt es sogar einen zweistelligen Zuwachs. Die Prüfungen in der Klasse E sind um 32,7 Prozent angestiegen. „Das liegt vor allem daran, dass die Klasse E nur noch nach LPO ausgeschrieben werden darf“, erklärt Viktoria Laufkötter, Leiterin der FN-Abteilung Turniersport. Einen enormen Zuwachs haben auch die Prüfungen „ohne Klasse“ erfahren, was sich mit Einführung der Gewöhnungsspringprüfung im Jahr 2024 begründen lässt.

Angesichts der genannten Zahlen erscheint es nur logisch, dass 2024 auch weniger gestartet wurde. 1.081.008 Starts im Jahr 2024 bedeuten einen Rückgang von 2,2 Prozent gegenüber 2023 – hier waren es noch 1.104.836 Starts – und sogar ein Minus von 19,2 Prozent gegenüber 2019.

Jahresturnierlizenzen weiter rückläufig
Im Jahr 2023 sank die Zahl der ausgestellten Jahresturnierlizenzen erstmals unter 70.000. Im vergangenen Jahr flachte der Rückgang etwas ab, belief sich aber immer noch auf 1,7 Prozent. Insgesamt wurden 68.425 Reit- und Fahrausweise ausgestellt, im Jahr 2023 waren es noch 69.635. Dabei nimmt der Anteil an männlichen Teilnehmern im Turniersport weiter kontinuierlich ab und betrug 2024 nur noch 11,7 Prozent, vor 20 Jahren machten die Männer noch rund ein Fünftel aller Turnierteilnehmer aus.

Positiv entwickelt hat sich dagegen die Zahl der Schnupperlizenzen. Diese stieg von 4.806 auf 5.447, was einem Zuwachs von knapp 14 Prozent entspricht. 834 beantragten noch im Laufe des Jahres eine Jahresturnierlizenz, die sie auch zum Start in der Klasse A berechtigt.

Die Zahl der neu registrierten Turnierpferde folgte 2024 ebenfalls dem allgemeinen Trend. Es wurden 8,7 Prozent weniger Pferde als Turnierpferd eingetragen, insgesamt 20.343 (2023: 22.272). Die Zahl der fortgeschriebenen Turnierpferde sank um 1,2 Prozent von 118.129 auf insgesamt 116.741.

Zu diesen Zahlen passt, dass der Anteil an drei- und vierjährigen Pferden innerhalb der Gesamtzahl der Turnierpferde nochmals leicht zurückgegangen ist und nun bei knapp über 8 Prozent liegt. Rund 80 Prozent der Pferde waren zwischen fünf und 15 Jahre alt. Über ein Prozent zugenommen hat die Zahl der Pferde, die 16 Jahre und älter sind: auf 12,4 Prozent.

Im Interview zieht Viktoria Laufkötter ein Fazit aus den aktuellen Zahlen.

Wie schätzen Sie die jüngsten Turniersportzahlen ein?
Viktoria Laufkötter: „Die aktuellen Zahlen sollten alle bedenklich stimmen. An vielen äußeren Faktoren können wir zwar nichts ändern, aber wir können unsere Turniere überdenken. Sind sie noch zeitgemäß, was können wir verändern?“

Können Sie das etwas konkretisieren?
Laufkötter: „Die Ansprüche sind gestiegen und wenn die Ausschreibung Jahr für Jahr nur kopiert wird und die Qualität der Plätze und das „Drumherum“ nicht stimmen, bleiben die Teilnehmer weg. Wir können heutzutage froh und dankbar sein über jeden Verein, der ein Turnier ausrichtet. Jeder Veranstalter investiert sehr viel Herzblut und Zeit in sein Turnier und hat dafür einen guten Zuspruch und den Dank der Teilnehmer verdient. Aber die Aktiven kommen nur, wenn sie auch einen Mehrwert im Turniersport sehen. Es geht nicht nur um den Wettkampfgedanken. Es geht auch darum, sich Ziele zu setzen, die Ausbildung von sich und seinem Pferd zu überprüfen und sich weiterzuentwickeln – und natürlich auch um Spaß an der Sache zu haben!“

Was kann man tun, um Teilnehmer zu halten oder zu gewinnen?
Laufkötter: „Wir sprechen überall von Bürokratieabbau. Auch auf dem Turnier kann oft flexibler agiert werden, sofern es nicht zu Lasten des Pferdewohls geht. Korrekturrunden bieten eine gute Möglichkeit, den Reitern und Pferden Sicherheit und Vertrauen zu geben und den Turniertag mit einem guten Gefühl abzuschließen. Die Starts „außer Konkurrenz“ bieten völlig unkompliziert Trainingsmöglichkeiten unter Turnierbedingungen. Einen Mehrwert bietet auch eine Kommentierung der Ritte durch die Richter, denn so bekommen die Reiter ein direktes Feedback ihrer Leistung. Wenn etwas mal nicht so gut klappt, wie erwartet, können solche wertschätzenden Tipps eine Motivation für das Training und den nächsten Turnierstart sein. Grundsätzlich sollte eine Ausschreibung immer bedarfsorientiert, zielgerichtet und an die Gegebenheiten angepasst sein.

Was heißt bedarfsorientiert?
Laufkötter: „Das heißt, dass den Aktiven möglichst passende Prüfungen geboten werden. Nehmen wir zum Beispiel die neue Gewöhnungsspringprüfung über 80 oder 85 Zentimeter oder die neue Geländepferdeprüfung Klasse E. Diese sind neu und erleichtern den jungen Pferden den Einstieg in den Turniersport. Beide Prüfungsformen wurden bereits im ersten Jahr sehr gut angenommen, offensichtlich haben viele auf so eine Prüfung gewartet. Sie sollten daher einen festen Bestandteil in den Ausschreibungen haben. Generell sollte man bei jeder Prüfung überlegen: Was und wen will ich damit erreichen?

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?
Laufkötter: "Ja, zum Beispiel die neue Dressurreiterprüfung Klasse S. Sie ist nicht eingeführt worden als zusätzliche Platzierungsmöglichkeit für Profis. Sie dient in erster Linie dem vereinfachten Einstieg in die schwere Klasse und sollte daher logischerweise vor allem für Amateure ausgeschrieben werden. Als Veranstalter kann ich durch die Ausschreibung aktiv dazu beitragen, den Sport weiterzuentwickeln und die Teilnehmer zu motivieren. Da macht es manchmal auch Sinn, kleinere Starterfelder in Kauf zu nehmen, zum Beispiel bei Einsteigerprüfungen oder Wettbewerben. Nur so gewinnen wir auch den Nachwuchs und stärken unsere Basis. Wenn dagegen bei anderen Prüfungen, zum Beispiel beim traditionellen S-Springen am Sonntag, die Nennungen weniger werden, sollte man die Ausschreibung dieser Prüfung neu überdenken. Auch in diesem Zusammenhang ist es ratsam, sich mit den Veranstaltern von parallel stattfindenden Turnieren in der Umgebung bezüglich der Ausschreibungen auszutauschen – so wird vermieden, dass man sich nicht gegenseitig die Teilnehmer ‚wegnimmt‘.“

Wie sieht denn die ideale Ausschreibung aus?
Laufkötter: „Grundsätzlich gibt es keine Pauschallösung für eine perfekte Ausschreibung und hohe Nennungszahlen. Dafür gibt es zu viele Faktoren, die einfließen, wie zum Beispiel Rasen- oder Sandplatz. Gut besuchte und beliebte Turniere leben davon, dass die Veranstalter offen für Neues sind, immer wieder neue Ideen haben und diese auch umsetzen. Und übrigens: Jeder Veranstalter kann sich bei seinem Landesverband hinsichtlich seiner Ausschreibung beraten lassen.“

Wir sprechen die ganze Zeit davon, was alles für die Turnierteilnehmer getan werden kann. Wie es ist denn umgekehrt? Können die Aktiven selbst auch etwas beitragen?
Laufkötter: „Klar. Nicht nur die Veranstalter und Turnierfachleute können zu einer verbesserten Turnierlandschaft beitragen. Eine der Hauptsorgen der Veranstalter ist der Mangel an ehrenamtlichen Helfern. Aktive und Vereinsmitglieder können durch tatkräftige Unterstützung mithelfen, das eigene Turnier attraktiv zu gestalten und die Kosten gering zu halten. Schließlich hängt die Motivation, ein Turnier zu veranstalten, von einem Gemeinschaftsgefühl ab und letztendlich auch davon, ob am Ende in der Vereinskasse etwas übrigbleibt.“ 

Die gesamte Statistik gibt es ab sofort als kostenlosen Download im FN-Shop.  fn-press/Hb