Reiten-in-Berlin

Leistungsprüfungen Zucht

Für die Zuchtrichtung Reiten werden Stations- und Feldprüfungen für Stuten sowie Stationsprüfungen für Hengste der Populationen des Deutschen Reitpferdes sowie Reitponys durchgeführt. Für Deutsche Reitpferdehengste werden Veranlagungsprüfungen und 70tägige Hengstleistungsprüfungen angeboten. Deutsche Reitponyhengste und Hengste der zugelassene Veredelungsrassen werden in einer 30tägigen Stationsprüfung oder einer 2tägigen Kurzprüfung getestet.

 

Stationsleistungsprüfungen stellen eine wesentliche Leistungsprüfung in der Reitpferdezucht dar, da hier unter weitgehend standardisierten Umweltverhältnissen genügend sichere und vergleichbare Daten gewonnen werden können. Alle Stationsprüfungen sind in eine Vorprüfung und einen abschließenden Test unterteilt. Der Trainingsleiter vergibt die Vorprüfungsnoten für das Interieur (Charakter, Temperament, Leistungsbereitschaft, Konstitution), die Grundgangarten (Schritt, Trab, Galopp) sowie Rittigkeit und Springveranlagung. Beim abschließenden Leistungstest beurteilen mehrere Richter nochmals alle Merkmale. Eine Ausnahme bildet dabei das Interieur. Dieses Merkmal kann nur der Trainingsleiter aufgrund der langen Beobachtungszeit während des Trainings objektiv beurteilen. Bei den Hengsten wird zusätzlich die Geländeeignung in die Urteilsfindung einbezogen.

Die Testreiter beurteilen Rittigkeit und Springeignung ohne die Pferde vorher zu kennen, Das Prüfungsergebnis wird rechnerisch ermittelt und als Index beziehungsweise gewichtete Endnote bekannt gegeben. Trainingsleiter und Bereiter der Pferde sind Angestellte der Prüfungsanstalt.

 

Die Veranlagungsprüfung ist seit 2001 Bestandteil der Leistungsprüfungen für Hengste deutscher Reitpferdezuchten. Vor dem ersten Zuchteinsatz soll dabei die Eignung unter dem Sattel geprüft werden. Bisher durften die frisch gekörten Hengste bereits ohne Leistungsnachweis in den Zuchteinsatz.
Aufgrund des jungen Alters der Hengste zum Zeitpunkt der Veranlagungsprüfung sind Gesundheit, Wohlbefinden und Ausbildung von besonderer Bedeutung. Durch das Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) wurde eine Leitlinie zur Ausbildung und Bewertung junger Pferde herausgegeben. 

 

Stutenleistungsprüfungen können auch als Feldprüfungen abgelegt werden. Für diese Prüfungen werden die Stuten in ihren Heimatställen vorbereitet und während einer eintägigen Prüfung durch Sachverständige beurteilt. Diese Form der Prüfung ist preisgünstiger für die Züchter, setzt allerdings das reiterliche Vermögen zur Ausbildung von jungen Pferden voraus. Weil die Vorprüfung fehlt, ist eine charakterliche Einschätzung (Interieur) nicht möglich. Aber auch diese Prüfung ist ohne Einschränkungen geeignet, den Züchtern einen Anhaltspunkt über die Qualität ihrer Zuchtstuten zu geben. Unverständlicherweise wird häufig die Leistung der Mutter in der Pferdezucht vernachlässigt, obwohl jeder Züchter wissen sollte, dass der gewünschte hoffnungsvolle Nachwuchs die Hälfte seiner Gene der Mutter verdankt.

Leistungsprüfungen der Pferdezucht sind in Deutschland durch das Tierzuchtgesetz und die Verordnung zur Durchführung der Leistungsprüfungen und Zuchtwertfeststellung bei Pferden geregelt. 
Die von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung erarbeiteten Rahmenkriterien für die Leistungsprüfungen werden in den Ländern an die jeweiligen Zielstellungen der Zuchtverbände sowie gesetzliche und  länderspezifische Vorgaben angepasst. 

Für die Überwachung der Leistungsprüfungen in Brandenburg ist das Landesamt für Verbraucherschutz, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LVLF) verantwortlich. (Textquelle:MLUV)