Reiten-in-Berlin
29.11.2017 13:39

3D-Figuren - den besten tierischen Freund verewigen

Die Lebenszeit von Mensch und Tier ist endlich. Die Erinnerungen an geliebte Lebewesen und die gemeinsame Zeit verblassen nach deren Tod. Was konnte man gegen das Vergessen tun? Der Homo sapiens oder der "moderne Mensch", wie wir ihn heute kennen, entwickelte sich während der letzten Eiszeit vor über 40.000 Jahren. Und er wurde schon früh kreativ. Eiszeitforscher entdeckten die ältesten Kunstwerke der Welt: Mammut, Eiszeit-Pferd, Höhlenlöwe als geschnitzte Figuren– kunstvoll angefertigt vor über 30.000 Jahren. Und vielfältige Höhlenmalereien. Oft haben die Darstellungen eine praktische, aber auch hohe kulturelle und religiöse Bedeutung. Mit der Höhlenmalerei ist es dem Menschen erstmals gelungen, vielschichtige Zusammenhänge unabhängig von der sprachlichen Ebene auf einem anderen Abstraktionsniveau zu erzeugen und zu begreifen. Einen besonderen Status hat das Pferd. Seit der Antike – etwa 3000 v. Chr. - steht das Pferd im Dienste des Menschen. Seitdem wird das Pferd in der bildenden Kunst dargestellt, z.B. als Fabeltier, Kriegspferd, Arbeitspferd, Rennpferd, Familienpferd oder als Statussymbol. In allen Stilepochen haben Kunstmaler das Pferd in ihren Gemälden verewigt. Das Pferdeportrait sollte ein genauestes Abbild des Originals sein, es sollte alle Eigenheiten des Körperbaus und kleinste Auffälligkeiten im Fell präzise darstellen. Fotokameras waren ab 1840 zur Abbildung von Personen als Fortsetzung der Porträtmalerei im Einsatz. Heutzutage arbeiten Pferdemaler u.a. mit Fotos als Grundlage für Porträts.
Seit einigen Jahren gibt es nun eine weitere Möglichkeit, eine besondere Erinnerung an den Vierbeiner zu bekommen. Zwar gab es das erste 3D-Konstruktionsprogramm schon 1985, der erste 3D-Drucker war 1988 käuflich zu erwerben, aber natürlich waren dies nur die Anfänge einer revolutionären Technologie. 3D-Drucker für Heimanwender, seit 2010 erhältlich, ermöglichen die Herstellung von Objekten wie kleinen Spielzeugen oder Schmuck. Strukturell komplexere, sehr belastbare Objekte und einwandfreie Kurven sind nur mit professionellen Druckern herstellbar. Und: 3D-Druck ist nicht gleich 3D-Druck. Der Sammelbegriff steht heute für ein ganzes Bündel von Fertigungstechniken, die nach unterschiedlichen Prinzipien funktionieren und sich jeweils nur für ganz bestimmte Materialien eignen. Ihr gemeinsamer Nenner: Alle Verfahren bauen dreidimensionale Objekte, indem sie Material in dünnen Schichten auftragen und verfestigen.
Pferde und andere große Fluchttiere als 3D-Modelle einzuscannen ist eine besondere Herausforderung. Pferde sind unmöglich in einer annähernd natürlichen und ungezwungenen Pose oder unter dem Reiter in einen herkömmlichen 3D-Scanner auf Basis von Kameras zu bekommen.
Die Lösung präsentierte nun der Dipl.-Biologe Gunther Bigl, Geschäftsführer der Formicum 3D-Service GmbH aus Leipzig und selbst Pferdesportler seit dem achten Lebensjahr. Sein Produkt, der Equus 3D-Pferdescanner, entstand in über 4jähriger Entwicklungszeit und einer Investitionssumme von ca. 200.000 Euro. Der Gedanke war, Tiere und Objekte (z.B. Pferde mit Ihrem Reiter) auch in Bewegung dreidimensional zu erfassen. Pferde als Fluchttiere lassen sich nicht in eine Scankabine sperren oder zeigen so zumindest ihre natürliche und individuell typische Ausstrahlung nicht. Senkrechte Stelen sind für die Pferde, welche Reitplatzbegrenzungen und Boxenstangen gewöhnt sind, kein Problem. Herausgekommen ist ein Scanner, der je nach Erfordernissen mit bis zu 250 8 Megapixel-Kameras und bis zu einer Höhe von 3,20m scannen kann. Die gewonnenen Daten werden photogrammetrisch zu 3D-Modellen und Filmen gerechnet. Die Technologie ermöglicht es sogar, Tiere in "action" aufzunehmen. Die Statue eines Pferdes im Galopp oder im Sprung wird somit möglich.
Der Equus 3D-Pferdescanner kann von einer einzelnen Person innerhalb von 20 Minuten komplett aufgebaut werden. Die integrierte Beleuchtung ermöglicht es auch in schlecht ausgeleuchteten Reithallen zu scannen. Pferd und Reiter können sich nach einer kurzen Eingewöhnungszeit im Scanner frei bewegen und werden in kurzen Intervallen gescannt. Nach der Scansession können dann aus dem vorhandenen Material die besten Situationen ausgewählt werden. Diese werden dann von uns zu druckfähigen Datensätzen umgerechnet. Als Ergebnis können dann sowohl konventionelle und fotorealistische 3D-Ausdrucke als auch exotischere Modelle angefertigt werden. So können die Daten etwa für die Herstellung von Schmuckstücken aus Gold oder Titan verwendet oder aber zur Herstellung einer echten Bronzestatue für den Schreibtisch genutzt werden. Ebenso lassen sich lebensgroße Figuren herstellen oder das 3D-Modell auf der eigenen Webseite einbinden.
Gleichfalls möglich sind Bewegungsstudien, das Motion-Capturing, zu therapeutischen Zwecken. Hierzu wird ein 3D-Video erstellt, welches dann eine Bewegungsanalyse aus jedem Blickwinkel ermöglicht. Damit lassen sich dann die Fortschritte bei der Behandlung von Erkrankungen des Bewegunsgapparates analysieren und sichtbar machen. Hierzu wird es demnächst eine Forschungspartnerschaft geben. "Wir führen aktuell letzte Praxistests durch und wollen im Frühjahr 2018 mit dem Vertrieb unserer Produkte beginnen. Für die flächendeckende Präsenz in Deutschland wollen wir zukünftig mit Franchisepartnern arbeiten. Der Equus 3D-Pferdescanner wird auch Medizinern, Firmen und Verbänden zum Kauf angeboten", erklärt Gunter Bigl die zukünftige Geschäftsstrategie.
Beim Marketing und im kaufmännischen Bereich wird das junge Leipziger Unternehmen von PR-Fachmann Elmar von Hoesslin unterstützt. Familie von Hoesslin betreibt ein Reitsportfachgeschäft und besitzt mehrere Pferde, das Interesse an den innovativen Produkten von Equus 3D ist dadurch natürlich besonders groß. Weitere Informationen: www. equus3d.de
Text+Fotos: Marietta Grade